Gedichte

Gedichte

sind für mich vor allem Bilder, um Momente und Gefühle auszudrücken. Gereimt oder frei bleibt genügend Spielraum für Interpretationen.

Spuren

Jahre später
kehr ich zurück
zu der Luke,
vor mir Spinnfäden,
Schrank und Tür.
Aus einem Rahmen
Dein Lächeln
unter Staub: Du.
Jahre, die schmerzen.
Ich berühr Deine Lippen,
trocken und schal
Deine papierne Haut,
die braune Schicht.

 

Verlorene Liebe

 

Du musst
aus den Laken geglitten sein.
Klammheimlich
hast Du Dich davon gestohlen.

Ich suche Dich,
und find Dich nicht
verschwunden
all die Lust!

Berühr ich Dich,
so fühl ich nicht,
wo früher mal
ein Schauer war.

Mir fehlt der Hauch
auf meinem Nacken,
die Gänsehaut!

 

 

Du

Der Wald ächzt
unter weißen Hauben,
scharrende Hufe, stiller Hauch,
der Horizont errötet.

Beim lockren Traben
Deine Mähne spüren,
am Abzweig hör ich
Reifen quietschen.

Der Aufprall. Stille.
Scharfkantig trennt ein Blech
Dein Haupt, mein Bein.
Unstillbar blutend Wunden.

Gelähmt, an Stahl gefesselt,
spür ich Dich unter mir
nur einen Wimpernschlag.



Der Schlüssel

Da steht er nun, der Schlüssel will nicht passen,
er kramt und kramt und sucht in allen Taschen
vom Fenster sieht sie ihn, er kann’s nicht lassen
sie weicht zurück und strickt an ihren Maschen.

Hört sie das Läuten nicht? Die Klingel schweiget.
Er sucht noch immer in den tiefen Taschen.
Nach Jahren ist ihr alles so verleidet,
soll er ab chiefessays.net jetzt sich sorgen, kümmern, waschen!

Ein Steinchen fliegt, sie hört das zarte Klirren.
Das Glas zerbirst, wie ihrer Seele Wirren.
„Heul doch den Mond an!“ schreit sie ihm entgegen:
„Ich will ab heut in Ruh alleine leben!“

 

England

England mein England!
höflich und leise,
Blässe im Niesel,
„What a nice weather!

England, ach England!
Draußen zwölf Grad
Du ohne Strümpfe:
Lovely sunny day!

Ein freier Tag:
Schlange stehen
für Brighton
für den Dampfer

für Tee
und Softeis
wieder Schlange stehen
für London

Die Queen versichert:
Schutz und Geleit
steht in Deinem Pass!
Sherlock und Miss Marple

007 geschüttelt nicht gerührt
Fette Würstchen und Curry
Pudding und Pie!
England: so peculiar!

Darjeeling oder Earl Grey?
zuerst Milch oder Tee?
Scones oder Sandwich?
Here you go!

Victoria, Dein Empire!
The war und Party im Blitz,
Keep calm and carry on!
Fucking Hitler! Please no politics!

Rosenzüchter und Pferdemist
Oxbridge und Bloomsbury
Pfundig Dein Pfund
Hellbank EU

Dress for success:
Breakfast, Lunch and Dinner
Man bleibt unter sich
Clubs only for men

Immer fährst Du links,
Du rechtshändiger Reiter:
den Schwertarm immer frei
Oh deary, so lovely, so different!

 

Schaumwein und Schnittchen

Ihr Täschchen barg das kostbar Gut,
um hier zu sein, gebot es Mut,
denn niemand hatte sie geladen,
um hier an Schnittchen sich zu laben.

Genüsslich kaute sie und schnippte,
die Brösel weg, bevor sie nippte,
an ihrem Glase: „Oh wie fein!,
welch edler Schaumwein mocht‘ dies sein?“

Wie immer war die Kunst ihr schnuppe,
ihr Auge spähte Richtung Suppe.
Sie schritt dorthin und lud sich auf,
so nahm der Abend seinen Lauf.

Sie fiel nicht auf und blieb bescheiden,
dies sah man auch an ihren Kleidern.
Sprach doch einmal ein Herr sie an,
dann lächelte sie: „Mann oh Mann,
beeindruckend – finden Sie nicht?“
„Durchaus gnä‘ Frau, Motiv und Licht!“

So zog sie weiter, Tisch um Tisch,
die Schnittchen dort: apart und frisch.
Behende packte sie fünf ein,
und wickelte sie sauber fein,
in kleine Tüten und Papier,
welch wunderbares Jagdrevier!

Nach ein paar Stunden ging sie leise,
im Täschchen lag die edle Speise
und kehrte so zurück ins Heim,
zu Bettpfanne und Haferschleim.

Im Nachthemd saß sie dann im Bett
und aß sich gründlich satt und fett:
Scampi, Lachs und Laugenstange,
vor Eifer glühte ihre Wange.
So schlief sie ein, zufrieden, satt
und war am nächsten Tag ganz platt.

Das Heim hatte bald Weihnachtsfeier.
Sie hasste diese alte Leier.
Jedes Jahr der gleiche Schmu
und sie vermisste ihre Ruh!

Die Gans war zäh oder verkocht,
sie hatte all dies nie gemocht.
Nun träumte sie in ihren Kissen,
von ihren nächsten Leckerbissen!

 

Miniwortkette:

Niesel – Tee – Fenster – Herbst – Schnupfen – Schal

Ach Niesel
du unentschiedener
Halbregen
wirst du feuchter?
bescherst mir Schnupfen?
Ich seh Dir zu,
Du legst Dich auf mein Nässchen
nicht nass, nicht trocken
Du unentschiedener
Halbregen
Ich seh Dir zu
aus dem Fenster
schnell zurück
zum Tee
und dem dicken Schal
auf dem mein Kopf sitzt.
Es wird Herbst.

 

Fildervillanelle

In Filderstadt die Äcker weinen
und Janos türmt Karotten
Spitzkraut vergeh – es wird gebaut!

Am Markttag zwischen Spitzkohlbergen
drückt Rose der Thrombosestrumpf

In Filderstadt die Äcker weinen

Grün glänzt der Wirsing, gelb Zitronen
wieso wird alles teurer?
Spitzkraut vergeh – es wird gebaut

Zerfurchte Hände, Erbsenzähler
von vier Uhr früh bis abends zehn
Spitzkraut vergeh – es wird gebaut

Für unser Kind nur Biofein
die Äpfel ohne Macken
Spitzkraut vergeh – es wird gebaut

Und wenige, die wacker blieben
wie knickten sie doch später ein
In Filderstadt die Äcker weinen

Spitzkraut vergeh – es wird gebaut

 

Stricken

Wollreste im Korb
aneinander geschmiegt.
Nadeln, die schweigend
ganze Knäule durchstechen.

Fäden, die Netze knüpfen.
Maschenhaltern trotzen,
fallen und fallen,
erneut sich vernetzen

Verschränkt und verkürzt.
Reihe um Reihe:
Ehegeschichten.

Zunahmen.
Abnahmen.
Wie im Leben!

 

Im neuen Jahr

Raunächte so weiß und rein,
mir sprießen Pickel.
Primeln trotzen dem Schnee,
mein Waggon voll Pappnasen.
Streuobstwiese in rosa und weiß,
meine Ex nochmals weg.
Wilde Saltos im Inselbad,
meine Hose voll Mayo.
Wälder gefärbt in rot, braun und gelb,
mein Weinvorrat alle.
Klappernde Nadeln und Tee,
meine Nase ist dicht.
Weiße Flocken auf grauem Asphalt,
meine unselige, stille Nacht.
Kinderaugen so groß:
Dir geb ich Zunder: Berta.
Dinner for one!
Wir lassen es krachen
Sophie